29. Juni 2011

Elias in Israel - ein Reisebericht des Konzertchor `73 Ratingen

Ehrlich-Reisen vermittelte die künstlerische Zusammenarbeit mit dem Israel Chamber Orchestra für zwei Konzerte am 13. und 14. Oktober 2010.
Die Idee zu diesem Projekte hatte eine erfahrene Chorsängerin im antiken römischen Theater von Caesarea. Dort wurde ihr die bedeutende Rolle des Prophet Elias besonders bewusst.  Maestro Roberto Paternostro war bereit, für diese zwei Konzerte in Tel Aviv im Museum of Arts in Tel Aviv dem Leiter des Chores das Dirigentenpult zu überlassen. Nach drei vorbereitenden intensiven Probenwochenenden sitzen 130 erwartungsvolle Reisende im Flieger nach Tel Aviv. Es soll eine unvergessliche Reise werden, in ein Land, das durch die Vielfalt seiner Eindrücke fasziniert und haben dem Team von Ehrlich-Reisen später ihre Erlebnisse beschrieben - wir zitieren:
Wir sind in Jerusalem!
"Drei Busse nähern sich Jerusalem. Wir genießen den grandiosen Blick hinüber zur Hebräischen Universität auf dem Scopusberg über die Bingham John (Mormonen) Universität, den Ölberg bis hin zum Zionsberg; wir blicken hinab zu den antiken Grabstätten im Kidrontal zur Kirche der Nationen und schließlich zu den zahllosen Grabsteinen auf dem riesigen jüdischen Friedhof gegenüber dem Goldenen Tor. Zu allem weiß Georg Rössler etwas zu berichten, beantwortet mit lebendigen Bildern unsere vielen Fragen. Als sollten wir auf die besondere Konfliktlage an diesem für zwei Weltreligionen so bedeutungsvollen Ort hingewiesen werden, erklingt plötzlich von der Al Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg der Gebetsruf des Muezzins.
Später laufen wir über den Ölberg und blicken auf die weiße Stadt die in der Sonne leuchtet. Weiter laufen wir über weißgelbes Kalksteingeröll und staunen über diese „größte historische Müllhalde der Welt“, in der nicht nur die Geschichte des Juden- und des Christentums verbogen liegt und gehen weiter zum Garten Gethsemane mit seinen uralten Ölbäumen. Unsere Reiseleiter kennen sich aus und sind in der Antike genauso zu Hause wie in der Neuzeit und im aktuellen Zeitgeschehen. Vor allem aber sind ihre Erzählungen niemals langweilig oder im unangenehmen Sinne belehrend. Sie haben ersichtlich Freude daran, ihr Wissen mit uns zu teilen.
Wir betreten die Jerusalemer Altstadt
und damit eine Welt orientalischer Gerüche, Geräusche, Gemäuer und Gesichter. Ob Juden, Muslime oder Christen, alle leben hier in geschäftigem Miteinander. Ein wahrer Melting Pott of Nations. Wir laufen durch verwinkelte Gassen mit dicken, hellen Mauern und haben das Gefühl, ein Stück Bibel wird lebendig. Jeder hat eine Flasche Wasser in der Hand (Uriel, unser Führer mit den strahlend blauen Augen, ermahnt uns: "Ihr müsst viel trinken, auch wenn ihr keinen Durst habt!"). Jetzt kaufen die letzten eine Kopfbedeckung. Ein schwarzer Regenschirm wird zum viel beneideten Sonnenschutz. Jeder sucht den Schatten. Es ist etwa 36 Grad heiß, ungewöhnlich für Mitte Oktober. Ulla zeigt ihrer Gruppe verwinkelte Gassen, die abseits der Touristenwege malerische Blicke auf wertvolle geschmiedete Tore, verwunschene Innenhöfe erlauben.
Der Platz vor der Klagemauer ist streng zwischen dem Teil für die Frauen und dem für die Männer abgegrenzt. Wir sehen Hunderte von Gebets- und Wunsch-Zetteln in den Mauerritzen. Ein zwiespältiger Eindruck: Orthodoxe mit hohem, schwarzem Hut, langem Bart, Gläubige, Touristen aus aller Welt; und daneben die jungen Soldatinnen und Soldaten mit Maschinengewehren in ihren khakifarbenen Uniformen. Sicherheitskontrollen finden statt, bevor man das jüdische Viertel betritt, aber auch am Eingang großer Kaufhäuser oder vor den Zentralbahnhöfen. Auch unser Hotel Neve Ilan ist gut aber kaum bemerkbar bewacht. Dennoch wirkt alles friedlich. Manchen von uns ist das zwar unheimlich, aber man versteht, warum das so sein muss.
Dunkel und eindrucksvoll ist die Grabeskirche. Der Golgathafelsen, das enge Grab in der Rotunde der Kirche erwarten uns mit langen Menschenschlangen, damit wir an die heiligen Orte gelangen. Verstohlen schabt eine junge Frau ein paar Stäubchen vom Felsen. Eine in Andacht vor dem Grab kniende Russin wird vom Aufseher hochgescheucht: "Come on, lady, go, go on!" Die nächsten Gläubigen warten. Frauen aus aller Welt knien am Salbungsstein und reiben darauf ihre Tücher, um sie als Geschenke und Erinnerung nach Hause mitzunehmen. Die Priester aller christlichen Gruppierungen sind mit ihren Weihrauchfässern unterwegs und halten Andachten an dem jeweiligen Ort innerhalb der riesigen Grabeskirche, für den sie verantwortlich sind.
Die folgenden drei Tage sind bis mittags mit anstrengenden Proben im Jaffa Music Center in Tel Aviv besetzt.
 
Die Generalprobe findet am Mittwochmorgen im Tel Aviv-Museum of Art statt. Die überwiegend jungen Musikerinnen und Musiker sowie die jungen Solisten sind sehr überzeugend. Wir sind gespannt auf das erste Konzert am Abend.
Die Begleitpersonen genießen während der Proben das „Damenprogramm
“mit weiteren Ausflügen, von denen sie abends begeistert berichten. Alle sind mit den Guides und den umsichtigen Busfahrern sehr zufrieden. Die Organisation von SK-Tours ist perfekt! Bewegend ist der Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem am Vormittag vor dem zweiten Konzert. Ein wenig mulmig ist uns zumute, wenn wir daran denken, dass wir in wenigen Stunden singen sollen. Kann man das nach diesen furchtbaren, erschütternden Bildern - abends singen?  Aber wir singen ja auch für Frieden und Versöhnung unter den Menschen…
Die Konzerte sind an beiden Abenden sehr gut besucht.
Lang anhaltender Beifall, rhythmisches Klatschen und Zuhörer, die uns nach dem Konzert beglückwünschen, haben Tränen in den Augen. Es ist auch für uns berührend, von der Bühne aus während des Singens zu sehen, dass besonders ältere Konzertbesucherinnen und Besucher ganz versunken zuhören. Welche Gedanken sie wohl bewegen?
Unser Hotel Neve Ilan in der Gegend von Abu Gosh ist ein echter Ort der Entspannung
.
Die Frühstücks- und Abendbuffets lassen keine Wünsche offen! Wir trinken die köstlichen Weine Israels. Das koschere Hotel ist beliebter Familientreffpunkt am Sabbat. Wir dürfen beobachten, wie sich an diesem Tag das Leben in Israel und wie sich Familienfeste gestalten. Wir begegnen zahllosen freundlichen Menschen.
Die Tage nach dem Konzert stehen ganz im Zeichen der Entspannung und des Reisens.
Wir machen Tagesausflüge zum See Genezareth, nach Capernaum und weiteren interessanten Plätzen. Wir besichtigen unterirdische Höhlen und Grabungen und die alte Festung des Herodes: Massada. Herodes legte um das riesige Felsplateau eine Kasemattenmauer mit fast vierzig Türmen und ließ Lagerhäuser, Pferdeställe, eine Kommandantur, Unterkünfte, Badehäuser, Schwimmbecken und Paläste, darunter den über mehrere Stufen in den Berghang hinein gebauten Nordpalast aus Kalkstein errichten und stattete ihn mit Wandmalereien im Pompeianischen Stil und zahlreichen Mosaiken aus. Massada hat eine tragische Geschichte vom Kämpfen, vom Selbstmord aller Juden auf dem Felsen, um nicht in Sklaverei zu verfallen. Die Großartigkeit der Anlage und das fantastische Panorama werden sogar trotz der Unmassen von Touristen nicht beeinträchtigt.
Wir machen die großartige Erfahrung, was es bedeutet, aus der Hitze der Wüste (wir hatten etwa 40° auf Massada) in die kühle und erfrischende Atmosphäre der Oase Ein Gedi - im wahrsten Sinne des Wortes -einzutauchen. Kaum wiegt sich über uns das erste grüne Blatt, sind wir in einer anderen Welt und werden langmütig von den Klippschliefern beobachtet, die sich längst an den Trubel der Touristen gewöhnt haben, wohl wissend, dass der lärmende Spuk bei Sonnenuntergang vorbei ist und die Oase wieder ihnen allein gehört.
Das anschließende Baden im Toten Meer ist ein besonderes und neugierig erwartetes Erlebnis. Tatsächlich dümpeln wir bewegungslos an der Oberfläche des Salzsees und haben Mühe, die Füße wieder auf den schwarzen Schlickboden zu bekommen! Fröhlich wie die Kinder treiben wir umeinander – allerdings ganz vorsichtig, um keinen Tropfen des Salzwassers in die Augen zu bekommen.
Unser Abschiedsabend findet an einem zauberhaften Ort statt. Auf einem Weingut erheben wir unser Glas auf alle, die die Konzertreise mit uns gemacht haben, auf eine rundum gelungene Reise und das großartige Erlebnis des gemeinsamem Musizierens und der gemeinsamen Erfahrungen in diesem faszinierenden Land Israel.
Wir danken Yoram Ehrlich-Reisen uns seinen Partnern für die perfekte Organisation und Betreuung einer wunderschönen und eindrucksvollen Reise nach Israel!"

Projektleitung: Hanna Eisenbart - eisenbart@mettmann.com
Organisation:
Lis Dann – lisdann@gmx.de

 

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